KAAD-Seminar: Handwerk und Kultur: Deutschland und seine Biergeschichte(n)

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Bier gilt weltweit als typisch deutsch. Doch hinter diesem Bild steht mehr als eine lange Brautradition: Die Geschichte des Bieres ist zugleich Handwerks-, Kultur-, Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte.

Und sie führt zu der aktuellen Frage, ob Alkoholkonsum in Deutschland tatsächlich normal oder vor allem gesellschaftlich normalisiert ist.
Diesen historischen und gegenwärtigen Zusammenhängen widmete sich das Allgemeine Seminar „Handwerk und Kultur: Deutschland und seine Biergeschichte(n)“, das vom 15. bis zum 18. September 2026 in Thalhausen bei Freising stattfand. Unter der Leitung von Dr. Anselm Feldmann, Leiter des Asien-Referats des KAAD, setzten sich 18 aktuelle und ehemalige Geförderte aus 16 Ländern mit der kulturellen Bedeutung des Bieres und den Ambivalenzen des Alkoholkonsums auseinander. Eine Besonderheit des Seminars war das Selbstversorgerkonzept, durch das die Teilnehmenden ihre Mahlzeiten gemeinsam planten und zubereiteten.

Um die kulturelle Bedeutung des Bieres und seine gesellschaftliche Rolle in Deutschland einordnen zu können, beschäftigten sich die Teilnehmenden zunächst mit dem Brauhandwerk und seinen historischen Zusammenhängen. Bei einer Führung durch die Staatsbrauerei Weihenstephan erhielten sie Einblicke in den Brauprozess sowie in die Geschichte des Brauwesens und der Brauerei selbst, die als älteste der Welt gilt. Anschließend verfolgten sie im Münchner Bier- und Oktoberfestmuseum die Entwicklung der Bierkultur und des Oktoberfestes. Am Beispiel des Brauwesens erfuhren sie darüber hinaus, wie die Industrialisierung ein traditionelles Handwerk veränderte und neue wirtschaftliche Verbindungen entstehen ließ. Dabei bezogen sie neben den Brauereien selbst auch deren Verbindungen zu Landwirtschaft, Handel und Gastronomie ein.

Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars lag auf dem Umgang mit Alkohol in unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten sowie auf den gesundheitlichen und sozialen Risiken des Konsums. Die KAAD-Stipendiatinnen Adriana Tamara Lamboglia, Manilee Lorraine Panares-Pagapula-an und der KAAD-Stipendiat William Wijaya bereiteten dazu eine Präsentation und Gruppenübungen vor. In die gemeinsame Vorbereitung floss auch Adrianas Forschung zu Suchterkrankungen ein. Sie promoviert in Caritaswissenschaften an der Universität Freiburg und untersucht einen Ansatz, der die Person und ihre sozialen Beziehungen unter Bedingungen sozialer Verwundbarkeit in den Mittelpunkt stellt.

Nach einer Einführung zu Alkohol als psychoaktiver Substanz, zu seinen körperlichen Auswirkungen und zu den Risiken des Konsums diskutierte die Gruppe die Frage „Warum trinken Menschen Alkohol?“ und bezog dabei unterschiedliche kulturelle Gewohnheiten und Bedeutungen ein. Als zentralen Bestandteil der Einheit führten die drei eine interaktive Übung anhand von Alltagssituationen mit Alkoholkonsum durch. Die Beispiele dienten dazu, Gründe für das Trinken und den Einfluss des sozialen und kulturellen Umfelds zu diskutieren. Dabei wurde auch untersucht, wann Alkoholkonsum problematisch wird und welche Möglichkeiten bestehen, darauf zu reagieren. 

Das Seminar wurde von P. Prof. Dr. Ulrich Engel OP geistlich begleitet. Zum Programm gehörten auch ein von den Teilnehmenden gemeinsam vorbereiteter Gottesdienst in der Kirche des Jugendhauses St. Anna sowie eine Führung durch den Freisinger Dom, bei der die Gruppe auch die Legende des heiligen Korbinian kennenlernte. Der Überlieferung zufolge tötete ein Bär auf einer Reise Korbinians Lasttier und musste fortan dessen Gepäck tragen. Die Erzählung eröffnete einen geistlichen Zugang zu der Frage, wie Menschen mit Belastungen umgehen. Die Situation anzunehmen und langfristig in etwas Positives zu transformieren, kann befreiend sein. Alkoholsucht ist oft das Gegenteil: Die kurzfristige Flucht vor Stress und schwierigen Erfahrungen kann immer tiefer in die Krise führen.

Zur Auseinandersetzung mit anderen Alltagskulturen gehört auch die Frage, welche Gewohnheiten man selbst übernimmt und welche man hinterfragt. Gerade das vermeintlich „typisch Deutsche“ aus unterschiedlichen kulturellen Perspektiven zu betrachten, regt zugleich zur Reflexion eigener Selbstverständlichkeiten an und gehört zum interkulturellen Lernen im KAAD.

Gruppenfoto der Seminargruppe vor der Staatsbrauerei Weihenstephan. Die Personen stehen und knien auf einem gepflasterten Platz neben dem Brauereischild.
Die drei Geförderten während der Präsentation zum Alkoholmissbrauch. Adriana spricht und gestikuliert; hinter ihnen ist die Titelfolie zu sehen.
Die Seminargruppe in orangefarbenen Warnwesten hört einem Mitarbeiter im Sudhaus der Brauerei Weihenstephan zu. Große silberne Braukessel umgeben die Gruppe.
Gottesdienst in der Kirche des Jugendhauses St. Anna: Ein Teilnehmer liest am Pult, während P. Ulrich im grünen Messgewand am Altar steht.
Fünf Geförderte stehen lächelnd hinter einem Tisch mit angerichteten Nudel- und Gemüsegerichten beim KAAD-Seminar.