Die nördliche Küstenregion Kenias stellt die katholische Diözese Malindi vor besondere pastorale und soziale Aufgaben: Viele Gemeinden liegen weit auseinander, die Infrastruktur ist schwach, und Armut, Arbeitslosigkeit sowie wiederkehrende Dürren bestimmen das Leben vieler Menschen. Mit den kirchlichen Antworten auf diese Herausforderungen beschäftigte sich das Alumni-Seminar der KAAD-Alumni-Vereinigung „Association of Scholars from East Africa“ (KASEA), das vom 25. bis 28. Juni in Malindi an der kenianischen Küste stattfand. Unter dem Titel „Church at the Cutting Edge: Social and Pastoral Work in Marginalized Areas“ kamen sechzig aktuelle und ehemalige Geförderte zusammen. Dr. Marko Kuhn, Leiter des Afrika-Referates des KAAD, begleitete das Seminar.
Gastgeberin des Alumni-Seminars war die katholische Diözese Malindi, die im Jahr 2000 gegründet wurde, um die kirchliche Verwaltung und Pastoral in der weitläufigen Region näher an die Gemeinden zu bringen. Ihr Gebiet reicht von der Küste bis in Teile der Verwaltungsbezirke Tana River und Lamu, wo große Entfernungen und eine schwache Infrastruktur die pastorale Arbeit erschweren. Zugleich lebt die Diözese in einem religiös vielfältigen Umfeld, in dem der christlich-islamische Dialog zu ihren zentralen Aufgaben gehört.
Bischof Willybard Kitogho Lagho, der am Päpstlichen Institut für Arabische und Islamische Studien ausgebildet wurde und seit vielen Jahren im christlich-islamischen Dialog tätig ist, stellte die pastoralen Schwerpunkte der Diözese vor. Für den interreligiösen Dialog sei entscheidend, die Würde jedes Menschen unabhängig von seinem religiösen Bekenntnis zu achten und die persönliche Religiosität nicht hinter Regeln und äußeren Formen des Glaubensvollzugs zurücktreten zu lassen. So könnten Christen und Muslime einander in ihrem jeweiligen Glauben besser verstehen und respektieren.
Neben dem christlich-islamischen Dialog stand die soziale Arbeit der Jesuiten in der Diözese im Mittelpunkt. Stanislaus Kanyenje aus der Jesuitenpfarrei St. Charles Lwanga erläuterte, dass diese weit über die Pastoral im engeren Sinne hinausgeht. Projekte des nachhaltigen Gartenbaus sollen Menschen aus armen Wohngebieten Einkommensmöglichkeiten eröffnen und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Darüber hinaus stellte Stanislaus Kanyenje neue Ansätze von Almosen und Wohltätigkeit vor, bei denen Geber und Empfänger gemeinsam Hilfsprojekte vor Ort entwickeln.
Am Nachmittag wurden die Themen des Seminars bei mehreren Exkursionen vertieft. Beim Besuch der Omar-Bin-Khattab-Moschee tauschte sich die Gruppe mit muslimischen Geistlichen aus. Der Imam erläuterte die verschiedenen Bereiche und Funktionen der Moschee sowie die damit verbundenen theologischen Vorstellungen. Ein weiterer Exkursionsschwerpunkt lag auf sozialen Einrichtungen in Malindi. Im Kulturzentrum der Stadt informierten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Situation von Frauen, die in ihren Gemeinden der Hexerei beschuldigt werden. Zum Zentrum gehört ein Schutzhaus, in dem betroffene Frauen Zuflucht finden, wenn ihre körperliche Unversehrtheit oder ihr Leben bedroht sind. Getragen wird das Kulturzentrum gemeinsam von Vertretern traditioneller afrikanischer Religionen und der katholischen Diözese Malindi.
Weitere Besuche galten einem Gartenbauprojekt der Jesuitenpfarrei St. Charles Lwanga sowie Einrichtungen, die Kinder, Menschen mit Behinderungen und junge Opfer sexuellen Missbrauchs betreuen. Am dritten Seminartag besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Malindi Marine National Park und feierten im Anschluss im Pastoralzentrum gemeinsam mit den beiden geistlichen Begleitern von KASEA, P. Peter Kaigua und P. Ben Opiyo, die Eucharistie.
Das Seminar diente auch dazu, die Arbeit der regionalen KASEA-Gruppen aus Kenia, Uganda und Tansania sowie die neue Ausgabe des KASEA-Newsletters vorzustellen. Darin beschäftigen sich die KASEA-Mitglieder aus unterschiedlichen fachlichen und beruflichen Perspektiven mit sozialer und pastoraler Arbeit in marginalisierten Kontexten. Die abschließenden Reflexionen der Ausgabe fragen danach, wie kirchliche Arbeit die Würde und Zugehörigkeit von Menschen stärken kann, die gesellschaftlich leicht übersehen werden.
Kirchliche Arbeit in marginalisierten Regionen: KASEA-Alumni-Seminar in Malindi
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Das diesjährige KASEA-Seminar befasste sich mit den pastoralen und sozialen Herausforderungen und dem christlich-islamischen Dialog an der kenianischen Küste.










