Der Band ist aus Gesprächen hervorgegangen, die im Rahmen der KAAD-Jahresakademie 2022 zum Thema „Synodale Kirche – Weltkirchliche Perspektiven“ geführt wurden. Herausgeberin ist Prof. Dr. Esther-Maria Guggenmos, Religionswissenschaftlerin an der Universität Lund, die die Fachgruppe leitet.
Während in Deutschland über den Rückgang kirchlicher Bindungen und den Verlust gesellschaftlicher Mehrheitsverhältnisse diskutiert wird, gehört das Leben als christliche Minderheit in vielen Regionen Afrikas und Asiens seit Langem zum kirchlichen Alltag. Diese unterschiedlichen Ausgangslagen prägten die Gespräche innerhalb der Fachgruppe und bilden den Hintergrund der nun versammelten Beiträge.
Im Zentrum des Bandes steht der Begriff der „Minderheit“, der sowohl rechtliche Schutzdimensionen als auch gesellschaftliche Relationen berührt. Die Beiträge greifen diese Ambivalenz auf und verbinden sie mit Überlegungen zu Staatsbürgerschaft, Anerkennung und gesellschaftlicher Teilhabe. Dabei geht es nicht um eine einheitliche Bewertung, sondern um die Beschreibung konkreter historischer und politischer Bedingungen, unter denen religiöse Gemeinschaften ihre Identität bestimmen und Verantwortung wahrnehmen.
Die versammelten Länderstudien führen in unterschiedliche Konstellationen: in die muslimisch geprägte Küstenregion Kenias, in die konfuzianisch beeinflusste Gesellschaft Vietnams, in Kontexte indigener Gemeinschaften der Amazonasregion, nach Thailand, Georgien, China, auf die Philippinen und in den Iran. Zur Sprache kommen Fragen staatlicher Regulierung von Religion, kultureller und religiöser Identitätsbildung, interreligiöser Dialogformen, konfessioneller Grenzziehungen sowie Bildungs- und Sozialinitiativen.
Neben diesen Fallstudien treten Analysen institutioneller Netzwerke im Bildungs- und Sozialbereich, insbesondere im asiatischen Raum. Kirchliche Hochschulverbünde, universitäre Kooperationen und karitative Strukturen werden in ihren transregionalen Bezügen beschrieben. Hinzu kommen theologische Beiträge, die das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit, von Leitung und Dienst, von Verletzlichkeit und Verantwortung reflektieren und damit eine weitere Ebene der Auseinandersetzung eröffnen.
Eine Perspektive auf die Situation in Deutschland bringt Prof. Dr. Thomas Söding ein, indem er die gegenwärtigen Transformationsprozesse der Kirchen im Zusammenhang langfristiger Säkularisierungsdynamiken, gesellschaftlicher Megatrends und kirchlicher Reformdebatten analysiert. Er beschreibt die Kirchen in Deutschland als eine „qualifizierte Minderheit“, die zahlenmäßig kleiner wird, zugleich jedoch weiterhin über institutionelle Strukturen, Bildungsarbeit, soziale Präsenz und internationale Vernetzung verfügt. In diesem Zusammenhang thematisiert er Fragen von Glaubwürdigkeit, Ökumene, synodaler Reform, Bildungsauftrag und gesellschaftlicher Verantwortung und stellt sie in Beziehung zu Erfahrungen anderer Ortskirchen. Sein Beitrag ordnet die Situation in Deutschland damit in den größeren weltkirchlichen Zusammenhang ein, der die Publikation prägt.
Die Veröffentlichung wurde finanziell durch die KAAD-Stiftung Peter-Hünermann ermöglicht.








