Die diesjährige Auslandsakademie des KAAD fand vom 24. bis zum 26. Oktober 2025 in Semarang, Indonesien, statt. Unter dem Titel „Ernährungssicherheit für Südostasien trotz Klimawandel und Konflikten“ brachte sie rund siebzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende sowie Alumnae und Alumni aus Indonesien, Vietnam und den Philippinen zusammen.
Die Akademie griff damit ein Thema auf, das in globaler wie nationaler Perspektive Indonesiens hochaktuell ist. Der Kampf gegen den Hunger zählt zu den zentralen Zielen der Sustainable Development Goals (SDGs), doch Klimawandel, Konflikte und politische Unsicherheit gefährden vielerorts die Ernährungssicherheit. Auch in Indonesien steht diese Frage im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte: Präsident Prabowo Subianto hat das Ziel formuliert, innerhalb weniger Jahre Nahrungsmittelautarkie zu erreichen, um Preisstabilität und Unabhängigkeit von Importen zu sichern. Vor diesem Hintergrund bot die Akademie ein Forum, um die sozialen, ökologischen und politischen Dimensionen dieser Herausforderungen aus regionaler und internationaler Sicht zu diskutieren.
KAAD-Präsident P. Dr. Hans Langendörfer SJ eröffnete die Tagung gemeinsam mit KAAD-Generalsekretärin Dr. Nora Kalbarczyk und der Vorsitzenden des indonesischen Partnergremiums, Dr. Juliana Murniati. In seinem Grußwort betonte P. Langendörfer die Bedeutung von Orten wie dieser Akademie, „an denen sich die Weisheit lokaler Erfahrungen mit den Einsichten globaler Forschung verbindet“. Nora Kalbarczyk hob in ihrem Beitrag hervor, dass Bildung immer „Dienst am Nächsten“ bedeute und grundlegend solidarisch ausgerichtet sei. Persönlicher Austausch und eine „Kultur der Begegnung“ seien entscheidend für eine Bildung, die „der Gesellschaft dient, um das Gemeinwohl zu fördern“. Dieser Gedanke prägte leitmotivisch die Vorträge und Diskussionen der folgenden Tage.
Im Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit standen Fragen nach den Ursachen und Folgen von Ernährungsunsicherheit in Südostasien. Vertreterinnen und Vertreter aus Indonesien, den Philippinen, Vietnam und Deutschland beleuchteten, wie ökologische, soziale und ökonomische Faktoren ineinandergreifen. Die Akademie wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Triyanti (Partnergremium Indonesien), Celine Widjojo (KONTAK) und dem indonesischen Alumni-Netzwerk organisiert; die Moderation übernahmen wechselnd verschiedene Teilnehmende aus den Panels.
Die wissenschaftlichen Beiträge führten in die vielschichtigen Zusammenhänge von Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft ein:
Dr. Djeimy Kusnaman von der Jenderal Soedirman University in Purwokerto analysierte die politischen Rahmenbedingungen der indonesischen Landwirtschaft. Sein Beitrag, der krankheitsbedingt in Vertretung präsentiert wurde, zeigte, wie staatliche Programme auf Ernährungssouveränität und soziale Stabilität zielen. Dr. Achmad Dawami von PT Japfa Comfeed, einem führenden Agrar- und Lebensmittelunternehmen in Indonesien, referierte über die indonesische Geflügelwirtschaft. Dr. Wisnu Pradoto von der Diponegoro University in Semarang legte in seinem Vortrag zu Landnutzungsplanung und Raumordnung dar, wie urbane Entwicklung und agrarische Flächenkonflikte zusammenspielen. Dr. Budi Widianarko von der Soegijapranata Catholic University widmete sich Fragen ökologischer Verantwortung und Fairness in Ernährungssystemen und hob hervor, dass Resilienz auf institutionelle Kooperation und Bewusstseinsbildung angewiesen ist.
Auch die maritimen Räume standen im Fokus. KAAD-Alumna Dr. Regina Bacalso vom Fish Right Program des Coastal Resources Center der University of Rhode Island erläuterte am Beispiel der Zusammenarbeit von Nichtregierungsorganisationen und Fischereigemeinschaften, wie eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände gelingen kann. Sie machte deutlich, dass Küsten- und Fischereiwirtschaft nicht nur ökologische, sondern auch soziale Lebensadern für Millionen Menschen sind. Antonius J. Supit, President Commissioner von PT Sreeya Sewu Indonesia und Mitglied des Board of Directors des Center for Strategic and International Studies, verdeutlichte, dass sich die Agrarstrategie Indonesiens unter Präsident Prabowo an einem Scheideweg befindet. Im Themenblock zu urbaner Ernährung erläuterte Dr. Pius Sugen Prasetyo von der Parahyangan Catholic University am Beispiel von Urban Farming in Bandung das Bild einer Stadt, die gesellschaftliche Verantwortung übernimmt – durch Kreislaufwirtschaft, lokale Produktion und gemeinschaftliche Strukturen.
In den Beiträgen der Referierenden verband sich die wissenschaftliche Analyse mit einer sorgfältigen ethischen Einordnung und dem Blick auf konkrete Handlungserfordernisse. Die Diskussionen machten deutlich, dass Ernährungssicherheit nicht nur eine Frage technischer Innovation ist, sondern wesentlich von politischer Gestaltung, von Fragen der Gerechtigkeit und von einem umfassenden Verständnis nachhaltiger Entwicklung bestimmt wird.
In seinem Schlusswort hob Dr.Anselm Feldmann, Referatsleiter des Asien-Referates des KAAD, hervor, dass der KAAD Studierende, Alumnae und Alumni aus unterschiedlichen Weltregionen in gemeinsamen Werten verbindet. Das indonesische Nationalmotto „Einheit in Vielfalt“ beschreibe dieses Fundament aus Solidarität, persönlicher Begegnung und Verantwortung für das Gemeinwohl besonders treffend und präge zugleich die Arbeit des KAAD.
Praktisch erfahrbar wurden Bildung und Landwirtschaft in der landwirtschaftlichen Bildungsstätte der Jesuiten-Kursus Pertanian Taman Tani (KPTT). Hier konnten die Teilnehmenden die Verbindung von spiritueller und landwirtschaftlicher Bildung erleben. Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie junge Landwirtinnen und Landwirte werden dort in biologischer Landwirtschaft geschult und tragen so zu einer guten und nachhaltigen Ernährungsproduktion bei.
Eine von P. Dr. Hans Langendörfer SJ und P. Dr. Simon Petrus Lili Tjahjadi SJ zelebrierte Eucharistiefeier beschloss die Akademie, die ihr Gelingen dem Engagement zahlreicher Partnerinnen und Partner verdankte – vor allem den Netzwerken von KAAD und KONTAK, die unter Leitung von Dr. Triyanti und Celine Widjojo die Tage mit großer Sorgfalt vorbereitet hatten.
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